Der Enkel des Königs

 

Reichsburg Cochem, mit freundlicher Genehmigung der Reichsburg Cochem GmbH
Quelle: Reichsburg Cochem, mit freundlicher Genehmigung der Reichsburg Cochem GmbH, www.reichsburg-cochem.de

Schwert eines Slavenführers

Schwert eines Sklavenführers (Museumsteil Festung Ehrenbreitstein/Koblenz)

Es war alles andere als eine friedliche Zeit. Kaum hatten die Sachsen das Christentum angenommen und wurden haidnische Völker bekehrt oder vertrieben, begann auch schon der Machtkampf innerhalb der eigenen Reihen. Das junge Kaiserreich Deutscher Nation erstrahlte zwar in Glanz und Ruhm, aber in vielen Bereichen seiner Region warteten bereits Mißgunst und Habgier. Ein Beispiel hierfür zeigte das "Königreich" Schwaben und Burgund in den Jahren ab 900 n. Ch.
Ein Landgraf war in der Hirarchie des Kaiserreiches durchaus eine mächtige Person, mehr noch, wenn er der Enkel eines Königs war. In dieser Position sehen wir Theoderich II.; sein Vater Theoderich I., Landgraf von Grieben und Ammensleben, heiratete die Schwester von König Hermann I. von Salm. Sein "Onkel", Herzog Ernst I. von Schwaben, wurde bei einem Jagdunfall getötet. In Wirklichkeit war es ein heimtückischer Mord, weil Ernst I. versuchte, das Königreich Burgund für seine Familie als legitimierter Erbe zu retten. Jeder kennt die Sage von Herzog Ernst von Schwaben (L. Uhland).
Welch eine Familie! Der Onkel seiner Stiefmutter (1. Ehefrau seines Vaters) krönte am Heiligabend des Jahres 1046 als Papst Clemens II. in Rom Heinrich III. (sein Großcousin) zum Kaiser. Nach dem Geschichtsschreiber Wipo hatte die Mutter (Kaiserin Gisela) alles geschickt eingefädelt. Danach ist es schon erstaunlich, was man hinter den Vorhängen alles ausklügelte. - Neun Monate später wurde Clemens II. vergiftet. Die Hintergründe blieben verschleiert. Das Gerange um Macht im engeren Umfeld zum Kaiser war erheblich, andere Fürstenhäuser strebten die Kaiserkrone an, und die politische Macht der Päpste war ungebrochen und verfolgte andere Ziele.
Theoderich II. war insoweit kein gewöhnlicher Landgraf, er konnte aufgrund seiner familiären Bindungen zu zwei Königshäusern machen, was er wollte. Er war legitimiert durch seinen Onkel, König Hermann I. von Salm. Theodorich`s Familie väterlicherseits saß in Ammensleben und Meseberg, unweit der Kaiserpfalz Goslar, wo Ernst II. von Schwaben (ebenfalls Giselas Sohn) mehrere Jahre von Theoderich`s Vater und seiner Familie gegen seinen Stiefvater (Kaiser Konrad II.) unterstützt wurde. - Später geriet Ernst II. im Kampf gegen ihn bei Burg Falkenstein in einen Hinterhalt und wurde erschlagen. Als sein jüngerer Bruder Hermann IV nach nur 6 Regierungsjahren starb, entstand ein wildes Gerangel um die Nachherrschaft in Schwaben, an dem sich sogar die Habsburger und Welfen beteiligten, bis sich  Rudolf von Rheinfeldern in Abwesenheit des Kaisers Heinrich IV. (Gang nach Kanossa) selber zum Herzog von Schwaben und zum Gegenkönig erhob.
Theoderich II. war im Jahre 1081 anläßlich der Krönung seines Onkels Hermann I. zum Gegenkönig  Zeuge in Goslar. Er gründete das Kloster Groß-Ammensleben. Er und seine Nachkommenschaft nannten sich fortan die Grafen von Grieben, Ammensleben & Meseberg, später auch von Hillersleben.

Uwe Meseberg, im September 2011 

Die Griebenburg - Schutzburg

 

A m u l r a d

 

Es war eine kalte Nacht, helle Sterne über der Börde, und die Milchstraße so klar wie selten. Und am südlichen Horizont ein heller Schimmer, als sollte dies ein Zeichen sein für etwas ungewöhnliches, nicht alltägliches, etwas kommendes. Es war Heilig Abend, und Amulrads Blick richtete sich dem Süden zu, wußte sie doch, was weit weg in Rom heute geschehen war. Der Oheim hatte Heinrich zum Kaiser gekrönt, also wird sich auch ihr Leben verändern. Was wird kommen, wie wird sich alles auswirken? Die Griebenburg gab wohl noch Schutz, die ungläubigen Slaven um Mesouium herum sowie viele benachbarten Sachsengrafen  - alles andere als Boten des Friedens. Der Kaiser war weit, mit ihm der Onkel, und alle Verantwortung lag wohl auf Ekbert, dem Burgherrn. An seiner Seite fühlte sie sich geborgen, aber konnte Ekbert dem ständigen Druck der Feinde standhalten? Er war ja als Burgherr derzeit ganz allein, alle Verwandten waren mitgezogen nach Rom, dem Onkel Suitger zur Seite.

Eine denkwürdige Nacht. Das junge Reich war stark und groß, vielleicht zu groß, überall lauerte die Gefahr. Ihr Blick schweifte über den Horizont und hinunter in die Niederung, dort brannten die Feuer der Ungläubigen. Am Tag zuvor waren wieder Fremde angekommen, durchreisende Händler auf dem Weg zum Süden. Sie blieben über Nacht. Ein Schauer der Unruhe durchlief ihren Körper, dachte sie an die gierigen Blicke der Männer im Dorf. Sie war jung und schön, und ein jeder hätte es gewagt, wäre da nicht Ekbert, Herr auf Meseberg, ihr Liebster. Selbst der eigene Cousin hatte ein Auge auf sie geworfen, und ihre Gedanken wanderten zu den entfernten Verwandten im Königreich Schwaben, wo Mißgunst und Habgier die Familie zerrütteten. Da konnte auch der junge Kaiser Heinrich III. wenig ausrichten. Lieber Gott, mach, das alles Gut wird! Der Spruch stand schon immer für die ganze Familie, und sicher würde es auch diesmal im Guten weitergehen. Was wird kommen?  Ihr fror bei diesem Gedanke! Ein letzter Blick zum Horizont, es war bereits über Mitternacht, und aufziehende Wolken bedeckten den Mond. In der Unterkunft erklang leise das ihr so vertraute Lied, was sie schon aus ihrer frühesten Kindheit von ihrer Mutter und dem Onkel her kannte, und so betrat sie erleichtert das vertraute Wohnhaus mit ihren Liebe.

 

 

 

 

- Viele Jahre später! Es war viel geschehen. Heinrich hatte Hermann das Herzgtum Schwaben überlassen, und nach dem Tod von Ekbert hatte sich Amulrad mit Theoderich II. von Grieben, Ammensleben & Meseberg vermählt, dem Enkel des Königs. Der Onkel war bereits nach 9 Monaten seiner Papstwürde vergiftet worden. Amulrad`s Enkelin Margarethe aus ihrer ersten Ehe mit Ekbert hatte Graf Werner von Veltheim geheiratet und war nach Osterburg in die Altmark übersiedelt, und mit ihr Amulrad`s Enkel Otto und Gebhard. Als Edle von Meseberg standen sie an der Seite von Margarethe und ihrem Werner, der ja die Ehre ihrer Tochter  Gisela retten wollte und deren Ehemann kurzehand erstach. Eine schlimme Sache, die Werner nie mehr in seinem Leben verkraften konnte und nur der Kampf gegen die Wenden vorübergehend eine Ablenkung von seiner Schuld gab. In diesem Kampf stand dann auch sein Sohn Werner III. zusammen mit Otto von Ammensleben und Gebhard Meseberg an der Seite von Albrecht dem Bären, als es um die Schlacht um Brandenburg ging, die ja dann auch tragische Ausmaße für alle Beteiligten annahm. Darüber aber mehr im anschließenden Teil "Das Wappen".

überarbeite im Oktober 2011

Uwe Meseberg

 

Der Konflikt

 
Konflikt Der Onkel von Dietrich II. war Gegenkönig, der Onkel seiner Gemahlin Amulrad aber krönte Heinrich III. zum Kaiser. Bei einem Ausbruch seines inneren Konfliktes zwischen den beiden Fronten rammte er sein Schwert in den Fels und gründete das Kloster Groß-Ammensleben, fern aller weltlichen Geschehnisse.

vom Kämpfer zum Patron
              vom Kämpfer zum Patron
 

Das Wappen

 

Albrecht der Bär nutzte die Führungsschwäche der Slaven. Waren Teile ihres Stammes mit den Wenden bereits vertrieben und die Nordmark frei für Siedler aus anderen Regionen (Flandern etc.), so hatte eine Abordnung von ihnen die Brandenburg zurückerobert und sich unter ihrem Anführer dort verschanzt. Es war klar, nur die abermalige Rückeroberung der Festung konnte die Mark zu einer Region des Friedens werden lassen. Die Gattin des Slavenführers hielt es heimlich mit Albrecht, was keiner wusste. Solange ihr Gatte auf der Burg residierte, wagte keiner der anderen slavischen Stammesfürsten, etwa eigene Machtansprüche anzuzeigen. So wurde also bei seiner Abwesenheit so getan, als sei er da, und die Verschwörer blieben fern.
Die Burg stand also wieder einmal ohne ihren Herrn und demzufolge auch ohne die anderen Führer allein, praktisch die Einladung zum Angriff. Albrecht der Bär hatte alle seine Getreuen aufgerufen, es war die Stunde der Wahrheit. Dieses Jahr 1157 sollte die Geschichte der Mark verändern. Albrecht`s engster Vertrauter in der ersten Reihe war Graf Werner III. von Veltheim aus Osterburg mit dessen Sohn Werner IV., darunter auch seine Großneffen Otto von Ammensleben & Meseberg und Gebhard  Meseberg. 
Wer die Stadt Brandenburg kennt, weiß, dass die Burginsel noch heute von Wasser umringt ist. Der Angriff führte also über das Wasser, ein fast unmögliches Unterfangen, was die Tage des Kampfes zuvor bereits gezeigt hatten. Schwimmen konnte niemand, insbesondere die schweren Rüstungen machten dies sowieso unmöglich. Eine Handvoll Söldner reichte praktisch aus, um die ständigen Angriffe der Sachsen abzuwehren. Es musste ja alles schnell gehen, sah man doch die mögliche verfrühte Rückkehr des Slavenführers und damit den Feind im Rücken.
Es war also in der Nacht! Alles oder nichts!. Die Boote erreichten lautlos das Ufer der Festungsinsel im Nebel des ergrauenden Morgens, unbemerkt, und mit Hilfe der Hakenleiter erstürmte Albrecht mit seinen Getreuen die aus Holz errichtete Schutzwand der Slaven. Der Kampf war nun kurz und zeigte einen deutlichen Sieger, nämlich Albrecht. Feuer wurden gezündet, erschöpft lagen die Krieger im Burghof, und man ging an, die Verluste in den eigenen Reihen festzustellen sowie die Gefangenen abzuführen. Da kamen die Ritter Werner und Gebhard vom Ufer herüber und verkündeten die Schreckensnachricht: Albrecht`s Enkel Werner und Otto waren im Dunkel der Nacht unbemerkt von den anderen gekentert und in ihren schweren Rüstungen ertrunken. Um den Feind nicht aufhorchen zu lassen und damit die Aktion zu gefährden, hatten sie nicht um Hilfe gerufen. Der Angriff wäre sonst verraten gewesen und vielleicht gescheitert.
Eisernes Schweigen folgte dem Entsetzen. Dieser Verlust war mehr als tragisch. Albrecht`s Gesicht war versteinert, er stand längere Zeit regungslos mit Tränen in den Augen, merkte nichts vom Treiben der Krieger um ihn herum, desgleichen sein Schwager Werner III. Welch ein Preis für diesen Sieg! Ein Schlag, schlimmer konnte er nicht sein. Eben noch heller Glanz in der Morgendämmerung, und jetzt das! Ergraut gingen beide in den jungen Tag.
Werner III. und seine Frau Eilike wurden nicht mehr glücklich danach, sie gründeten ein Kloster. Die Zeit war nun eine andere, viele Getreue waren gefallen oder hatten die Region danach verlassen. Es gab neue Siedlungen, andere Menschen. Gebhard und einige andere Getreue wurden aufgrund ihres außerordentlichen Einsatzes geehrt und mit Landbesitz belehnt. In dieser Zeit erhielt eines der ältesten Wendendörfer in der Nähe von Osterburg nun den Namen Meseberg, und die noch lebenden dieses Rittergeschlechts ihr Wappen aus der Hand des ersten Markgrafen von Brandenburg, nämlich Albrecht, das an den denkwürdigen Kampf gegen die Slaven und an ihre Tapferkeit und Treue erinnern sollte: im blauen Schild eine goldene Sturmleiter umhüllt von einem königsblauen Mantel, auf dem Helm vier goldene Äpfel mit 7 Pfauenfedern. Vier goldene Äpfel aus der Mark Brandenburg für Werner, Otto, Gebhard und Hojerus!

überarbeitet im Oktober 2011

Uwe Meseberg


 

Ihre Spur verlor sich in der Region

 

Als ich am 14. Sept. 2007 das Schloß Meseberg betrat, erhielt ich von einer freundlichen Empfangsdame einen Flyer der Bundesregierung in die Hand gedrückt, der im geschichtlichen Teil auch kurz auf die Gründung des Dorfes Meseberg einging. Es interessierte mich natürlich sehr, was über meine Vorfahren als Namensspender geschrieben stand, hatte ich auf Einladung des damaligen Projektleiters, Herrn Ministerialrat a.D. Thaysen, im Bundeskanzleramt ja ausführlich die Familie vorgestellt. Umso erstaunter wurde ich deshalb durch den Satz "...und ihre Spur verlor sich in der Region." Es war ja alles ganz anders, und dem Vermächtnis meiner Familie, mehr Licht in das Dunkel zu bringen, diente diese Aussage bestimmt nicht. Ich entschloß mich also, eine Internetseite mit den wichtigsten Eckdaten über die Familie von Meseberg zu schaffen (www.von-Meseberg.de), um einem breiten interessierten Publikum den weiten Weg der Familie durch die Jahrhunderte aufzuzeigen. Bei den nunmehr schon 40 Jahre andauernden Forschungsarbeiten kam heraus, daß die Familie im Jahre 2012 wohl ihr 1000-jähriges Familienjubiläum feiern könnte, eine wirklich ganz seltene Angelegenheit.

Interessant ist die Tatsache, daß sich gleich zwei Orte um ihre Ersterwähnung für das Jahr 1334 bemühen, nämlich Meseberg bei Osterburg und Meseberg bei Gransee. Sicherlich sind beide Dörfer noch viel älter und wurden vor den Sachsen von den Slaven bzw. Wenden bewohnt. Den Einzug der Mesebergs (uraltes Sachsengeschlecht mit slavischen Namen) haben diese sicherlich Albrecht dem Bären zu verdanken, an dessen Seite sie als entfernte Verwandte zum Königshaus von Schwaben und Burgund tapfer das Christentum verbreiteten, quasi mit dem Schwert! Und insbesondere Ihre Verbundenheit zum Harzer Grafengeschlecht derer von Lindow, das in der Region Ruppin großes Ansehen genoß und anfangs großen Einfluß auf die ersten Kurfürsten hatte, führte zum Erhalt der Lehen (Landbesitz), die für die beiden Orte zu ihrem vom Lehensträger entliehenen Namen und damit zur Gründung führten. So wurde Meseberg bei Osterburg bereits in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts (um 1270) mit einem Rittersitz Meseberg ausgewiesen, als das Land nach den Kämpfen öd und leer niederlag. Urkundliche Erwähnungen bezogen sich ja oft auf die Vergabe dieser Lehen. So erhielt der Ritter Henning von Meseberg - wie ja bekannt - im Jahr 1334 weitere Ländereien, so u.a. auch in Meseberg bei Gransee. Er hatte seinen Rittersitz aber weiterhin in Meseberg bei Osterburg. Der Rittersitz in Meseberg bei Gransee entstand wohl erst durch ein weiteres Lehen des Kurfürsten Johann an den Ritter Heinrich von Meseberg im Jahre 1486, weil Heinrich von Meseberg auch hier wohnte.

Philipp von Meseberg hatte neben dem vorgenannten Heinrich wohl den größten Einfluß in der Region und ist die Schlüsselfigur der Familie in dieser Zeit schlechthin, wo die Macht nun weniger mit dem Schwert, sondern eher mit politischem Schach ausgeübt wurde. Philipp stand in der Gunst von Kurfürsten Joachim I. und wurde sein Hofmarschal. Er richtete am 29. August 1524 die Hochzeit zwischen dem Kurprinzen Joachim und der Herzogin Magdalena von Sachsen aus, eine sehr ehrenvolle Auszeichnung. Aus dieser bedeutenden Position heraus war es ein leichtes Spiel, auch eigenständige Entscheidungen zu treffen oder die Entscheidungen des Kurfürsten zu beeinflussen. Diese Stellung spielte er auch aus, als nach dem Tod des letzten Grafen von Lindow die Ruppiner Lehen (u.a. in Meseberg/Gransee) eingezogen und später neu verteilt wurden. So sorgte er selber dafür, daß am 05.10.1524 die Ritter Claus und Christian von Meseberg mit Gütern in Barsikow, Rohrlack und Wildberg (Land Ruppin) neu belehnt wurden. Der Grund dafür war leicht durchschaubar: der Boden um Barsikow war einfach von besserer Güte und brachte höhere Ernteerträge, während das Land bei Meseberg/Gransee mehr Sandboden aufwies und die Ernte bescheidener war. Die Gunst der Stunde nutzte auch die Familie von der Groeben, erweiterte ihren in Meseberg bereits vorhandenen Landbesitz und erhielt durch Philipp den Mesebergschen Rittersitz zugespielt, allerdings zunächst ohne die Mühlenrechte.

Welch eine Zeit, in der Philipp von Meseberg wirkte. Die wichtigste Person in der Mark war uneingeschränkt der Kurfürst. Joachim I. zeigte sich sehr kämpferisch auf der Seite der immer stärker werdenden Hohenzollern gegen den heimischen Adel. Rücksichtslos bekämpfte er das Raubrittertum und als Erzkatholik besonders die Reformationsbewegung. Die Mark Brandenburg erhielt durch ihn ein "sauberes" Gesicht, und sein Hofmarschal hatte die Dinge entsprechend zu richten, was Philipp von Meseberg durch Mut, Weitsicht und Pfiffigkeit auf wundersame Weise auch gelang. Philipp hatte dafür am aufwendig geführten Hof seine Freunde, die ihm dabei halfen. So u.a. den Hofastrologen, der für den Sommer 1525 eine Sintflut voraussagte und den Kurfürsten samt dem Gefolge seiner jungen Gattin Elisabeth (Tochter des Dänischen Königs) dazu bewegte, auf den Tempelhofischen Berg (Kreuzberg) zu fliehen. Während seiner Abwesenheit wurden u.a. die in Ruppin erledigten Mesebergschen Lehen wie vorstehend erwähnt rückwirkend neu an Philipp`s Nachkommenschaft vergeben. Als die Sintflut nach langer Zeit des Wartens immer noch nicht eintrat, kehrte Joachim zurück, wurde kurz vor Erreichen des Hofes aber fast vom Blitz erschlagen. Aus tiefen Dank heraus für seine Unversehrtheit stand er dann für alle in seiner Abwesenheit getroffenen Maßnahmen seines Vertreters. Philipp von Meseberg war sicherlich aus großer Zuneigung zur Kurfürstin Elisabeth nach deren Übertritt zum evangelischen Glauben auch daran beteiligt, als sie zwei Jahre später vor ihrem Ehemann nach Wittenberg floh. Der Kurfürst selber hatte ein Auge auf die junge Tochter des Bürgermeister von Neu-Cölln (Berlin) geworfen.

Das Spiel von Philipp von Meseberg war sicherlich nicht ungefährlich, galt es doch, mit der Gunst des Kurfürsten die Geschehnisse bedingt durch die Reformation insbesondere auch im Land Ruppin so zu lenken, ohne dabei in Ungnade zu fallen. Jedenfalls bekannte sich im Jahre 1558 der sich versöhnlich zeigende Sohn und Nachfolger von Joachim I., Kurfürst Joachim II., zur Augsburger Konfession. Die bis dahin aufwendige Hofhaltung hinterließ übrigens einen Schuldenberg von 2,5 Mill. Gulden.

Nach unruhigen Zeiten fiel im 17. Jahrhundert Schatten auf den Rittersitz und das Dorf Meseberg. Der 30jährige Krieg ließ das Land veröden, und die Pest danach ließ nur wenige überleben. Und es kam noch schlimmer: der Rittersitz wurde Opfer der Flammen. Das Anwesen brannte nieder, bis auf die Fundamente und Grundmauern war alles vernichtet. Auf diesen Fundamenten erbaut erstrahlt jetzt Schloß Meseberg in neuem Glanz; in den Kellerräumen wies in den 80er Jahren noch eine kleine Gedenktafel auf den ehemaligen Rittersitz hin, desgleichen die Scherben des ehemaligen Hausrats, die bei den Restaurierungsarbeiten noch vor wenigen Jahren zufällig gefunden wurden. Ein Märchen in der heutigen Zeit, und die Ausstrahlung der Anlage läßt es dem Besucher spüren, was einmal war.

Claus, Paul und Christian von Meseberg saßen als Gutsherren noch 1491 und darüber hinaus in Barsikow, Rohrlack und Wildberg (Land Ruppin) und dienten zudem auch als Kirchenpatrone bei der weiteren Umsetzung der Kirchenreformation im Landkreis Ruppin. Im Jahre 1572 saßen Matthias und ein weiterer Claus von Meseberg aus Rohrlack (Ruppien) als Vertreter der Region im jungen Landtag in Berlin.

- Nun, alle diese Geschehnisse zusammen betrachtet, zeigen doch sehr deutliche Spuren der Familie von Meseberg, die sich immer um die Belange in der Region einsetzte und im Ruppinischen Barsikow sogar noch bis in das Jahr 1693 weiter wirkte. Daneben saß die Familie weiterhin in Meseberg/Osterburg und in Altenrode/Harz. Mitglieder der Familie standen in unmittelbarer Nähe des Königs Friedrich von Preußen, und gleich zwei wurden mit dem höchsten militärischen Orden ausgezeichnet, den Preußen zu vergeben hatte: den Orden "Pour le Merite".

Ich hoffe, daß ich dem interessierten Leser mit meinen Ausführungen insoweit gedient habe, die Geschehnisse und Hintergründe um das Wirken meiner Vorfahren in der Region Ruppin verständlich aufzuzeigen. Auch wenn die Meseberger Episode in Meseberg/Gransee selber relativ kurz war, nämlich nur 190 Jahre, so blieb doch eins: der Name! Der Name einer Familie, der Name unserer Familie Meseberg.

veröffentlicht 2008 in der Gransee-Zeitung

Uwe Meseberg

Die Wartburg - Foto mit freundlicher Genehmigung der Wartburg-Stiftung Eisenach
Die Wartburg - Bildveröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Wartburg-Stiftung Eisenach

 

Der Schatz im Harz

 



  

Gerhard Wilhelm um 1670

Es war die Mittagszeit, als oben vom bewaldeten Berg der Klang von 12 Jagdhörnern ertönte und sein Echo selbst noch in Neustadt zu hören war. Viele Bewohner hielten inne, ein "Großer" war verstorben. Gerhard Wilhelm von Meseberg, Oberforst-, Wild- und Oberjägermeister, Kommandeur aller Forsten im Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel einschließlich des Weserdistriktes bis Göttingen und dem Harzer Vorland bis Helmstedt. Ein denkwürdiger Augenblick, hatte der Herzog ihm doch so vieles zu verdanken.
In den Wirren des 30jährigen Krieges in Stolberg geboren, fand Gerhard Wilhelm nach dem Ausscheiden seines Vaters Gerhard aus dem Forstdienst bei den dortigen Grafen seine Bestallung, musste aber seinen Dienst dort nach über 30 Jahren quittieren, weil er eigenmächtig Grenzverschiebungen zu Gunsten des benachbarten Herzogtums durchführte. Kein Wunder, dass allein schon deshalb der Herzog ihm seine Forsten überlies. Dieser war ja ständig in Geldnot, das neue Wasserschloss in Wolfenbüttel samt Hofhaltung verschlang Unmengen von Talern, dann der Traum vom Lustschloß in Salzdahlum -aber das Geschäft mit dem Holz aus der Forstwirtschaft lief schon damals gut.
Vater Gerhard hatte nach seiner Abfindung und damit Aufgabe seiner Ansprüche auf Teile des Rittergutes in Meseberg bei Osterburg in Stolberg/Harz eine späte Liebe gefunden. Er heiratete eine Dame namens von Hacke aus Hackpfüffel im Kreis Sangershausen und erwarb dadurch eine Silbermine. Ihm gehörte auch die alte Komturei in Altenrode, Gut Boke, wohnte dort aber nicht selber, weil eine Anna Ehrich ein Wohnrecht im Gutshaus auf Lebenszeit besaß. Alle Bemühungen, die Frau zu vertreiben, schlugen fehl, was Gerhard aber nicht davon abhielt, während der Kriegsjahre Teile der Ausbeute aus der Silbermine auf dem weitläufigen Hofgelände zu vergraben. Später sollte dann sein Enkel Wilhelm Johann mehrere Jahrzehnte mit seiner Eheliebsten Frederike auf dem Hof leben, und die Nachadelung von Wilhelm Johann (er war unehelich geboren) wurde mit einem Teil des Geldes aus der Silbermine bezahlt.
Der vergrabene Schatz blieb den plündernden Kriegern des 30jährigen Krieges verborgen. Gerhard Wilhelm unterstützte Jahre später damit die Gründung einer Akademie des Herzogs für junge Adelige in Wolfenbüttel, und als in Blankenburg eine Nebenresidenz des Herzogtums entstand (Neues Schloss), erwarb Gerhard Wilhelm in der Gunst des Herzogs ein Erbrecht auf Ländereien zu Schloss Blankenburg aus der Aloide-Regelung des Königs. Der Herzog war der Familie von Meseberg sehr freundschaftlich verbunden, und als Wilhelm Johann`s zweiter Sohn August Wilhelm getauft wurde, erschien Herzog August Wilhelm als Taufpate persönlich im oberen Saal des Gutes Boke.
Wilhelm Johann verbrachte glückliche Jahre mit seiner Familie auf Gut Boke. Er und der Hofrat Haberstroh standen im Hofgefolge hinter dem Herzog an erster Stelle. Die Umstände um seine uneheliche Geburt, die seiner Hochzeit mit der Tochter des Hofrates Haberstroh und die Rolle des Frauenarztes Stockhausen am Hofe werden aber wohl immer ein Geheimnis bleiben. Vielleicht erklärt sich alles aus der unendlichen Liebe zweier Menschen zueinander, nämlich Wilhelm Johann und Frederike. Die dritte Frau von Vater Gerhard Wilhelm, eine Frau Gosewisch, war zudem die Tochter des Hofarzt Stockhausen.  Gerhard Wilhelm heiratete sie mit 77 Jahren und damit drei Jahre vor seinem Tod. Die Heirat wurde aufgrund des großen Altersunterschiedes ausdrücklich genehmigt, obwohl diese Frau sich der gerade im Harzer Forst- und Bergbau aufkommenden Pietismusbewegung verschrieben hatte, die in vielen Orten verpönt war. Die Familie hatte sich schon zuvor von ihr abgewendet. Die Witwe war nach dem Tod von Gerhard Wilhelm dann derart verarmt, dass es einer gerichtlichen Anordnung bedurfte, ihre Ansprüche aus dem Testament zu erhalten. Ihre Stiefenkel wären u.U. mit Arrest belegt worden, hätte nicht Gerhard Johann als ältester Sohn von Wilhelm Johann die inzwischen in Berlin deponierten Restgelder aus der Silbermine freigegeben. - Welche Rolle spielte der Arzt? In einer Taufurkunde wurde die Mutter von Wilhelm Johann lediglich als "Eheliebste" bezeichnet, in einer anderen Urkunde ist seine Frau gleichzeitig seine Mutter! Und eine weitere Tochter des Hofrates (ihr Vater) wird auf den gleichen Namen ihrer eigenen Tochter getauft. Vincenz Meseberg auf der Suche nach dem Zugang seines bürgerlichen Stammvaters zur Adelsfamilie von Meseberg hatte auch die gesamte Harzer Linie durchforstet und war auf diese Umstände gestoßen, ohne eigentlich sein Ziel zu erreichen. Was er immerhin fand, war eine Gedenktafel über David von Meseberg in der Fürstengruft unter der Marienkirche in Wolfenbüttel, obwohl dieser - im jungen Alter von 30 Jahren verstorben - in der Mesebergschen Familiengruft in Meseberg bei Osterburg beigesetzt wurde. Vielleicht ein unglücklicher Jagdunfall oder Opfer im österreichischen Erbfolgekrieg während seiner Zugehörigkeit zur Akademie des Herzogs? Diese unglaublichen Ereignisse innerhalb von zwei Generationen der Familie waren Grund genug, für andere Forscher in der Sache eine "blaue" Mappe im Staatsarchiv in Wolfenbüttel anzulegen.
Steht man in Bad Harzburg an der Südwand der Lutherkirche vor der Grabplatte von Gerhard Wilhelm, so hat schon allein der Tatbestand, dass dieser Gedenkstein mit dem Wappen der Familie und einem Gottesspruch noch existiert, etwas Besonderes. Und der Betrachter verweilt einen Augenblick in Gedenken an diesen Mann und an die Zeit, in der er wirkte. Sein Enkel August Wilhelm war der letzte Namensträger der Harzer Familie im Adelsstand. Sein Sohn Franz Heinrich als Stammvater des fortblühenden bürgerlichen Stammes bekam auf ausdrücklichen Wunsch des Vaters nicht den - wie damals üblich - Familiennamen der Mutter, sondern den Namen Meseberg. Es war kein leichtes Unterfangen, diese Geburtsurkunde ausfindig zu machen und damit den Nachweis zu bringen, von der adeligen Familie Meseberg abzustammen. Es gehörte schon großes Glück dazu!
In den ersten Tagen nach der Öffnung der innerdeutschen Grenzen führte unser Weg sofort nach Altenrode, heute ein Vorort von Wernigerode. Es war ein bissig kalter Wintertag kurz nach Neujahr, und alle Fenster in der Bokestraße waren verschlossen. Ein handgemachtes Schild wies das Haus als "Gut Boke" aus, und wir verweilten. Wieder ein großes Glück: trotz klirrender Kälte öffnete sich ein Fenster im Nebengebäude, und ein altes Mütterchen sprach uns an. Es war ihr die Überraschung und Freude anzusehen, ihre erste Begegnung mit Leuten aus dem Westen nach Jahrzehnten der Entbehrung, und bereitwillig beantwortete sie unsere Fragen um Gut Boke. Sie wusste viel zu erzählen über das Haus und verschiedene Leute, die dort wohnten. Und sie wusste, dass in alter Zeit hier mal ein Schatz vergraben wurde, der noch immer darauf wartet, ausgegraben zu werden. Ich fragte: wo? Ja irgendwo hinter dem Haus! Na ja, vielleicht ist was dran. Unsere Damen warteten frierend im Auto, es war nicht mehr viel Zeit. Paavo, mein finnischer Schwiegervater, machte noch ein letztes Abschiedsfoto, und innig gab die Frau mir ihre Hand, als ich meinen Namen Meseberg nannte. Wir gingen andächtig zum Auto, und ich spürte, in meiner Hand war etwas, zerknülltes Papier, vielleicht mit dem Namen und der Anschrift der Frau. Spät am Abend nach unserer Rückkehr zu Hause die Überraschung, als ich das Stück Papier mir genauer anschaute: in Sütterlin geschrieben und gezeichnet der Lageplan des Schatzes. Also doch!
Es stimmte also alles!

Uwe Meseberg - überarbeitet im Oktober 2011 -

Quelle: Schloß Wernigerode® GmbH (wichtig hochgestelltes R, wegen eingetragener Marke)
 

  • Quelle: Schloß Wernigerode® GmbH www.schloss-wernigerode.de

  •  

    Das Herz

      Heinrich III. starb im Jahre 1056 nach 7-tägiger Krankheit mit 38 Jahren in Bodfeld am Harz. Vor seinem Tod ordnete er an, daß sein Herz nach seinem Tod im Harz bleiben und der Leichnam an die Seite seines Vaters in Speyer überführt werden sollte. Herz für Liebe, Körper für Macht und Ansehen, beides mit viel Licht und Schatten im kurzen Leben eines mächtigen Herrschers.
    Schaut man sich die Konstellation seiner Familie an (er als Sohn aus der 3. Ehe Giselas`, ihre Bindungen zu Schwaben und Burgund, aber auch zu Braunschweig, Magdeburg, Quedlinburg, Goslar und Corvey) und verfolgt dazu parallel die Verknüpfungen Heinrichs zu seinen Ratgebern und Freunden (Familienverbund mehrerer Grafengeschlechter aus Sachsen und dem Harz; höchster Präsentant war der ihn zum Kaiser krönende Papst Clemens II. und seine Familie), so kann man sich gut vorstellen, daß letztlich sein Herz - vielleicht durch Zuneigung, Liebe oder Wiedergutmachung - im Harz verbleiben sollte. Wenn Herz für Liebe spricht, kann die Landschaft, können Umstände und Begebenheiten, aber auch Personen dabei eine gewichtige Rolle gespielt haben.
    Es wird ja immer Spekulation bleiben, aber die Tatsache, daß der von ihm ernannte Papst nach einem knappen Jahr seiner Amtszeit als junger Mann in Rom durch eine Vergiftung den Tod fand, hat mit Sicherheit nicht nur die Familie des Papstes, sondern auch Heinrich selber tief getroffen. Das Reiben verschiedener Machtblöcke - insbesondere im Bereich der kath. Kirche - forderten Opfer, kosteten Kraft. Dann die Auseinandersetzungen um die Macht im eigenen Land, Interessenskonflikte, Gegenkönig, unbeliebte Entscheidungen - der Herrscher konnte nicht gleichzeitig und überall sein, durch politische Fehler wuchs die Anzahl der Feinde. Wo blieb ein kleines Stück Heimatglück? Gewiß an der Seite seiner klugen Frau Agnes, aber Liebe, die gab es nicht immer bei Bestimmungsehen, die geschlossen wurden, um die Macht zu festigen.
    In schlimmen Zeiten sucht man den Ort seiner Mutter. Diese hatte immer geschickt und durch kluge Ratschläge die Entscheidungen Ihrer Männer und Söhne beeinflußt. Hiervon wußte sogar der Geschichtsschreiber Wipo (1000-1046) zu berichten. Vielleicht gab es auch zu Diagmenta, der Schwester des vergifteten Papstes (verheiratet mit den Grafen Theodores I. von Ammensleben) mehr als nur eine freundschaftliche Beziehung, oder er "schenkte" sein Herz der kleinen Amulrad, Diagmenta`s Tochter, die später durch ihre zweite Ehe mit Graf Theodores II. von Ammensleben auch als Stammutter im Familinverbund galt, aus dem unser Familienname hervorging. Theodores II. als mutmaßlicher Abkömmling einer Kaiserfamilie wäre das Paradebeispiel dafür, bei einer unehelichen Geburt den Namen der Mutter zu erhalten und dennoch als Angehöriger des Hochadels seinen gesellschaftlichen Stand nicht zu verlieren.
    Es wird immer ein Geheimnis bleiben, und das ist gut so. Es soll nur zeigen: auch ein Herrscher hat ein Herz.

    Uwe Meseberg, 28. Januar 2010
     

    Der Erbe

     

    Es war wie verhext. Wo blieb der männliche Sproß, der den Fortbestand der Familie von Meseberg sichern sollte? Christian Adolf Meseberg war schon unehelich geboren (bürgerlicher Stamm) und hatte zunächst keine Nachkommen, und Christoph Adolf von Meseberg, jüngster und einer der letzten Namensträger aus Meseberg bei Osterburg, starb im Jahre 1770 an den Folgen einer Verwundung im Schlesienkrieg als junger Major im Alter von knapp über 30 Jahren und hinterließ nur eine junge Frau und 2 Töchter. Wenn sich nicht noch eine andere Seitenlinie der Familie zeigen sollte, wäre es aus mit den Mesebergern. Die Linie Barsikow war bereits um 1690 erloschen, und die Harzer Linie galt als verschollen.

    Friedrich II. von Preußen (der alte Fritz) sagte einmal launisch, sein Schloß wäre ein einziges Freudenhaus. Kein Wunder, wer so viele Offiziere um sich scharrte, durfte sich nicht wundern, daß sich auch Damen einfanden, die sich nur zu gern eine Liebesbeziehung zu einem feschen Gardeoffizier aufbauten. Die Zeit war eben damals so! In höheren Kreisen war eine Liebesheirat eher die Ausnahme. Der Ordnung halber befahl König Friedrich also dem Stallmeister von Kyckpusch, die sich an dessen Seite sehr freizügig zeigende Hofdame von Stein zu heiraten. Die Heirat gab ihrem Treiben aber keinen Abbruch, jedenfalls war sie in Offizierskreisen sehr beliebt, zumal ihr Gemahl aufgrund seiner Stellung oft abwesend war. Als sie dann im Sommer 1769 heimlich einem Sohn das Leben schenkte (ihr Ehegatte war schon längere Zeit im Gefolge von Kronprinz Heinrich wegen der Streitigkeiten um die Teilung Polens in St. Petersburg und kam als Vater nicht in Betracht), fiel ihr als vermeintlicher Vater nur der fesche Fähnrich Fr. von Meseberg ein, 25 Jahre jung, ohne dessen Vornamen wegen seiner militärischen Karriere preiszugeben. Und natürlich auch, um sich und ihren Gatten nicht zu kompromitieren. Jedenfalls steht in der Taufurkunde des außerehelich geborenen Gottlieb als Vater nur: Patre ... von Meseberg.

    Vielleicht hatte Fr. von Meseberg sich auch nur deshalb an die Dame herangemacht, um seine Karriere aufzubauen. Fr. von Meseberg strebte seinem großen Vorbild im gleichen Regiment nach, nämlich dem aufstrebenden tapferen Major Christoph Adolf von Meseberg, der dann wie vorstehend schon erwähnt im zweiten Schlesischen Krieg 1763 derart verwundet wurde, daß er für den weiteren aktiven Dienst nicht mehr tauglich war und nach wenigen Jahren des Leidens 1770 verstarb.

    Fr. von Meseberg (geb. 1743) stand zu seiner Vaterschaft und sorgte mit Hilfe seines Vaters Gerhard Johann von Meseberg (Harzer Linie) für eine angemessene Erziehung seines unehelich Sohnes Gottlieb, die Mutter blieb unerkannt. Jahre zuvor hatte Gerhard Johann in Berlin bereits für seinen Erben sowie für den unehelichen Sohn seiner Schwester Ernesta Sophia (nämlich Christian Adolf) Geld deponiert. Im Jahre 1754 wurde auf seine Vollmacht hin auch im Namen der Erben ein Teil des Deponats an seine Stiefgroßmutter abgeführt, die aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur Harzer Pietismusbewegung und nach dem Ableben ihres Ehemannes Gerhard Wilhelm von Meseberg verarmt war. Gerhard Johann`s Bruder August Wilhelm, der zu Beginn des ersten Schlesischen Krieges aus der Preußischen Armee ausgeschieden war, sowie seine Schwester Ernesta Sophia wären sonst mit Arrest belegt worden. 

    Der uneheliche Sohn von Ernesta Sophia, nämlich Christian Adolf, wurde doch noch 1795 in den preußischen Adelsstand erhoben, weil er immer behauptet hatte, auch zur Adelsfamilie von Meseberg zu gehören. Er starb 1814, und sein Sohn fiel 1819. Ihre Güter im Kreis Stolp (Pommern) kamen in fremde Hände, denn eine familiäre Bindung zu den Nachkommen der noch bestehenden Harzer Linie war über die verstrichene Zeit verloren gegangen.  Auch deshalb, weil hier die unehelichen Geburten eine Abstammung nicht mehr erkennen ließen. Eine mehrere Jahre zuvor vorangegangene Suchanzeige in der Hannoverschen Gelehrtenzeitung verlief negativ.

    Durch einen Zufall gelangte Jahre zuvor der Adelsbrief des nachgeadelten Christian Adolf an die bürgerlichen Nachfahren des Fr. von Meseberg, die über mehrere Generationen an eine direkte Abstammung von Christian Adolf glaubten und durch seine Standeserhebung auch für sich eine Legitimation sahen. Ein Pfarrer in ihrer Nachkommenschaft legte dann den Adel aber ab, weil er nicht etwas "Besseres" sein wollte als seine Gemeindemitglieder. Gottlieb Meseberg gilt als Stammvater einer der beiden noch heute lebenden bürgerlichen Zweige der Familie Meseberg, die ihre Abstammung vom Adelsgeschlecht derer von Meseberg auch durch Urkunden belegen können.


    Uwe Meseberg, 29. August 2008

    überarbeitet im Oktober 2011

     

    Roulette

      Es war wie verhext. Die Kugel lief ... langsamer...immer noch...und blieb stehen: auf rot 7. Der Kapphengst - wie er in Offizierskreisen und am Hofe genannt wurde - hatte wieder mal verloren, nun schon zum dritten Mal in Folge. Praktisch drei Rittergüter! Er hatte drei Rittergüter verspielt! Das "Kleingeld" war ihm schon vorher ausgegangen. Seine Spielleidenschaft war ja wie ein Vulkan, ein Ausbruch, der nicht mehr lenkbar war. Heiße Glut rann durch seine Adern, der Blick über die Runde am Spieltisch: stechend! Was konnte er noch einsetzen? Schloß Meseberg! Der Kapphenst setzt Schloß Meseberg ein! Ein Ruck ging durch die anwesenden Spieler rund um das Roulette, der Tabakqualm vernebelte die Zahlen, schwarz, rot, eine Stimme krächste: bitte setzen!
    Dem jungen Fähnrich Meseberg war schwindelig. Die letzte Chance, den alten Stammsitz der Familie oben im Ruppinischen durch einen einzigen Einsatz zurückgewinnen zu können, war plötzlich möglich und zugleich unmöglich, stand sie doch 1 zu unendlich?! - Die Spannung im fast dunklen Raum - es war weit nach Mitternacht - wurde unerträglich. Da muß ich durch, dachte Meseberg, ich muß! Jetzt oder nie! Vergessen alle guten Vorsätze, kein Gedanke an die Folgen beim Verlieren! Vielleicht nur der eine: der Vater wird es schon richten mit seinem Geld in Berlin, und mit zitternden Händen setzt er auf eine Zahl: rot 7. Rien ne va plus - die Stimme krächst, die Kugel rollt, und rollt, und rollt. Sie rollt ewig, die Spannung ist kaum zu übertreffen, der Qualm um die erhitzten Gemüter zum schneiden! Jetzt lenkt sie ein und bleibt endlich stehen bei ... schwarz 7. Ein Aufschrei auf der anderen Seite und ein teuflisches Lachen - der Kapphengst hatte gewonnen. Er behält sein Schloß. Wie in Trance verläßt Meseberg den Raum. Alles verloren. Alles!

    Ungefähr 230 Jahre später, in der Bleib-Treu-Straße in Berlin, praktisch fast am gleichen Standort - eine Jazzkneipe. Es ist eine laue Septembernacht vor dem Berlin-Marathon, die Musik klingt auf die Straße, heiße Rythmen auf dem Piano. Am Flügel sitzt - es ist kaum zu glaube - der Kapphengst. Er spielt wie der Teufel und zieht alle in seinen Bann. Wie damals - auch beim Spiel. Das Stück heißt "Roulette".

    Uwe Meseberg, im Oktober 2011
     

    von "Gottes Gnaden" - Das große Geheimnis

     


    Andreas Johann Gottlieb (mutmaßlicher Enkel von Gerhard Johann)

    Gerhard v.M. siegelte um 1630 mit dem altmärkischen Wappenbild in blau - Provinz Brandenburg - (ausgestorben).

    Gerhard Wilhelm (sein Sohn) scheidet nach eigenmächtigen Grenzverschiebungen aus dem Forstdienst in Stolberg/Wernigerode aus und wird um 1680 als Oberforstmeister (später Jägermeister) von Herzog Anton Ulrich zu Braunschweig-Wolfenbüttel übernommen. Der Bruder des Herzogs, nämlich Rudolf August, ist ebenfalls Jägermeister. Gerhard Wilhelm ist auch mit der Abwicklung der Holzungen für das später im großen Stil angelegte Holzschloß in Salzdahlum beauftragt. Sein Sohn

    Wilhelm Johann wird 1683 unehelich geboren (imaginäre Geburt). Mutter ist die Hofdame Friederike Philippine Haberstroh, die sich aber als Taufpatin ausgibt. Sie hat später zwei weitere unehel. Kinder am Hof, und zwar eine Tochter Ernesta Sophia (geb. 1690) und einen Sohn Gerhard Johann (geb. 1707). Nach der Eheschließung des Wilhelm Johann mit Friederike Philippine Haberstroh werden im Jahre 1716 Wilhelm Johann sowie seine Mutter (Ehefrau) mit ihren beiden Kindern (Gerhard Johann und Ernesta Sophia) legitimiert und geadelt (Wappen nunmehr in den Farben rot-gelb). - Herzog Anton Ulrich hatte übrigens 12 Kinder, er war den Damen am Hof sehr zugeneigt. Der Hofarzt Stockhausen spielt am Hof eine gewichtige Rolle, seine verwitwete Tochter Gosewisch heiratete im Jahre 1717 Wilhelm Johann`s Vater, also Gerhard Wilhelm, drei Jahre vor seinem Tod. Zur Taufe von

    August Wilhelm (geb. 1723, Vater war Wilhelm Johann) erschien persönlich der ab 1714 regierende Herzog August Wilhelm, der eher den Männern nahestand und kinderlos blieb, ähnlich wie der Jägermeister Rudolf August.

    Gerhard Johann hatte einen ehel. Sohn, nämlich Fr. v. M., geb. 1744 (lt. Offiziersliste der preuß. Armee), der mit großer Wahrscheinlichkeit der Vater von Andreas Johann Gottlieb (unehel. Geburt 1769) ist. Im Jahre 1753 gab Gerhard Johann in einem notariellen Protokoll der Berliner Anwaltskanzlei Kroll einen Erben an. Das maßgebliche Kirchenbuch mit den Eintragungen über Gerhard Johann ist nicht auffindbar (wohl kein Zufall), sein Geburtsdatum ergibt sich aus einer Konfirmationsliste.
    Seine Schwester Ernesta Sophia hatte mutmaßlich einen unehel. Sohn Christoph Adolf, geb. 1740, der immer beteuerte, auch zur Familie zu gehören und im Jahre 1795 endlich im preuß. Militärdienst mit dem Wappen der altmärkischen Linie (ausgestorben) geadelt wurde. Die fam. Zusammengehörigkeit wurde bzgl. der Neuadelung von Wilhelm Johann durch das Staatsarchiv in Rudolfstadt angedeutet. Der Sohn von Christoph Adolf (Johann Carl Friedrich) wurde bereits mit 9 Jahren Kadett der preuß. Armee und brachte später zwecks Aufbewahrung den Adelsbrief seines Vaters in die Linie von Johann Andreas Gottlieb. Mit seinem Tod erlosch die Familie im Adelsstamm, da August Wilhelm ähnlich wie bei Fr. v. M. lediglich einen unehel. Sohn, nämlich

    Franz Heinrich, hinterließ. - Insoweit gibt es derzeit zwei bürgerliche Linien, die Wilhelm Johann von Meseberg als gemeinsamen Ahnherrn aufweisen.

    Uwe Meseberg, im März 2011

     

    Das Zauberschloss

     

    Im dritten Anlauf hatten wir es gefunden: ein Schloss im Dorf. Unsere protzige Limousine fiel wohl auf, denn aus dem Konsumladen rechts im Erdgeschoß des Gebäudes kam ein neugieriger Mann und fragte nach unserem Begehren. Ich konnte es mir nicht verkneifen und sagte: "Ich möchte mein Schloss übernehmen ..." und zeigte meinen Reisepass mit meinem Namen: Meseberg! Verdattert zog der Mann ab, und kurze Zeit danach waren alle Leute außer Sichtweite. Sie dachten wohl, eine Aktion des Staatssicherheitsdienstes sei am laufen und waren aus Angst vor Unangenehmes in ihre Häuser verschwunden. Was sie nicht wussten: wir hatten mindestens genau soviel Angst, denn unsere Reise war total illegal ohne Genehmigung der Einreisebehörde.
    Bei einem weiteren Besuch kurz nach der Öffnung der innerdeutschen Grenze zeigte sich das Schloss ganz anders. Kein Konsumladen mehr, die Fenster verbrettert, darauf mit roter Farbe geschrieben: Einbruch lohnt nicht, hier ist nichts mehr zu holen! Mein erster Gedanke: Abriss! Das Gebäude ist am Ende! In Gedanken hob ich ein Stück vom abgefallenen Stuck auf und nahm es als Souvenir mit. Schade! Dabei gab es doch große Pläne der Akademie der Wissenschaften, ein Kulturzentrum sollte hier entstehen. Aber jetzt? -
    Aber jetzt! Es ist kaum zu glauben, wo plötzlich die vielen Leute alle herkommen und sich geradezu euphorisch für Schloss Meseberg interessieren. Zuerst war es Altkanzler Helmut Schmidt, später der ehemalige Ministerpräsident von Brandenburg, Herr Stolpe, und sicher auch noch andere "Größen". War das Fontane, der diese Anziehungskraft entstehen ließ und den Abriss verhinderte? Und dann die vielen Menschen, die alle - wie verzaubert - in Scharen am Besuchertag herbeieilen. Ich habe mindestens 10 Familien bzw. Personen kennen gelernt, von deren Existenz ich zwar wusste, aber nie geglaubt hätte, dass es jemals zu persönlichen Begegnungen käme! Da gibt es den Jazzmusiker Kapphengst aus Berlin; einen Wirt, der sich stolz Schlosswirt nennen darf; den Autor Jörn Lehmann, der in seinem Buch "Meseberg - Schloss und Dorf" die Meseberger Dorfgeschichte aufleben lässt; die Nachfahren der Familie von der Groeben mit ihrem über 400 Jahre alten Stammbaum; den Berliner Architekt Ulli Böhme, der bei Erdarbeiten sogar noch Scherben aus der Zeit des alten Rittersitzes fand; einen Landwirt, der davon träumt, noch einmal Schlossherr zu werden, was natürlich ein Alptraum bleibt; die Nachfahren der Familie Lessing, die sich gern an ihre Zeit im Schloss erinnern; der Referatsleiter im Kanzleramt, der alle Dorfbewohner in Meseberg zum Grillfest im Schlosspark eingeladen hatte; und den Vorstand einer Stiftung, die in wundersamer Weise dieses Barokgebäude rettete und in neuem Glanz erstrahlen ließ! Die gelungene Restaurierung entschuldigt manches Unerfreuliche, was bei der Umsetzung eines solchen Projekte zwangsläufig dazugehört. Entscheidend ist ja das Ergebnis, und wenn man davon liest, dass eine junge Dame ihre erste Liebe auf Schloss Meseberg erfuhr, war es sicherlich auch wegen der romantische Ausstrahlung, die nach wie vor Schloss Meseberg ausgeht und alle verzaubert.
    Ja, ein wahres Märchen in der Gegenwart. Diese Geschichte ist äußerst erfreulich in allen Kapiteln, und wenn ich zu Hause das noch vorhandene Stück vom Stuck betrachte, denke ich irgendwie an ein großes Wunder. Es war wirklich das Beste, was dem angeschlagenen Gebäude passieren konnte: nämlich die Bestimmung zum Bundesgästehaus und damit die Erhaltung eines Gebäudes mit großer geschichtlicher Vergangenheit, ein Kulturdenkmal erster Güte, verbunden mit dem Namen unserer Familie Meseberg. Dafür sind wir dankbar.
    Zum Schluss noch eine Anmerkung zu unserem Familiennamen, der ja mit dem Namen des Schlosses immer verbunden bleiben wird: er steht nicht im Gotha, dafür aber über 25mal im Adelsregister der Mark Brandenburg (Codex Brandenburgensis) und sogar dreimal im Postleitzahlbuch!

    neugefasst im Oktober 2011

    Uwe Meseberg

     

    Von der Grafenherrschaft zum Bürgerstand
    1000 Jahre Familiengeschichte Meseberg

     

    Aus dem Familienverbund derer von Grieben/Ammensleben/Harbke/Krosigk entstanden und dieser Anfang des 11. Jahrhunderts durch seine engen Bindungen zu einem Königshaus und zum Papst mit seinem Einfluß u.a. bedeutend für den weiteren Werdegang der Familie von Meseberg, kann ihre Nachkommenschaft auf eine jahrhundertelange und bewegte Geschichte zurückblicken. Ein langer und schwerer Gang durch die Geschehnisse der Zeit, der seine Opfer forderte. Heute im Bürgerstand gelandet, sind die Erben vom einstigen Höhenflug immer noch nicht ganz schwindelfrei. Was war geschehen?

    Zwei Schlüsselfiguren legten wohl den Grundstein für die Entwicklung der Familiengeschichte: Gisela von Schwaben und Burgund (Mutter von Heinrich III., Sohn aus ihrer 3. Ehe mit dem Salier Kaiser Konrad II.) sowie der aus Thüringen stammende Graf Theoderich I. von Grieben & Ammensleben (sein Schwager krönte als Papst Clemens II. in Rom Heinrich III. zum Kaiser, die Mutter seines Sohnes aus seiner zweiten Ehe war die Schwester des Gegenkönig Hermann). Sohn Theoderich II. (Dedi) als 2. Gemahl von Almurad (Tochter seines Namensvorgängers) nannte sich nach dem von ihm kontrollierten slavischen Handelsort "Mesouium" (in der Nähe von Magdeburg unweit der Ohre gelegen) wie Graf Ekbert von Harbke & Mesburge (1. Gemahl der Almurad) nunmehr auch Graf Theoderich II. von Ammensleben & Mesburge (von Meseberg). Beider Nachkommen standen Jahre später an der Seite der Osterburger Grafen von Veltheim und dem Askanier Albrecht der Bär im Glaubenskampf gegen die Slaven und Wenden und wurden um 1160 als Edle von Meseberg im Rahmen der Siedlungspolitik unter diesem Namen mit einem kleinen Rittersitz in einem uralten Wendendorf in der Nähe von Osterburg (Altmark) belohnt (als Lehensträger mit dem bekannten eigenständigen Familienwappen). Nicht zuletzt war ja Graf Werner II. von Veltheim (Graf von Osterburg) mit der Enkelin der Gräfin Almurad von Harbke & Meseberg verheiratet. Das Wendendorf entlehnte seinen Namen Meseberg wiederum von der adeligen Familie von Meseberg und wurde 1344 erstmals urkundlich erwähnt. Hier ist auch der Stammvater des Rittergeschlechtes zu finden. Der älteste bekannte Namensträger ist für das Jahr 1334 der Ritter Henning von Meseberg.

    Der Grafenstand war den Edlen von Meseberg durch ihre nunmehr untergeordnete Stellung nicht mehr gegeben. Nach den Ausführungen des Analisto Saxo ist auch nicht deutlich, wann der Schwund von Macht und Einfluß einzelner Mitglieder des Familienverbundes einsetzte. Nach dem frühen Tod von Papst Clemens II. bzw. dem Tod Gisela`s von Schwaben (Mutter von Heinrich III.) hatte sich die Familie dem Gegenkönig Hermann von Salm (gegen Kaiser Heinrich IV.) zugewandt. Hermann`s Schwester heiratete 20 Jahre vor seiner Krönung 1081 in Goslar den Grafen Dietrich von Ammensleben; sein Sohn Dedi (Graf Theodorich II. von Ammensleben) war in Goslar Krönungszeuge. Hermann`s Mutter (geb. von Formbach mit fam. Verbindungen zu den Häusern Haldensleben und Supplinburg) spielte keine unwesentliche Rolle. Aber auch die späteren Schenkungen erheblicher Besitzungen an Klöster der Region (von ihnen gegründet) an die Askanier und Grafen von Ruppin sowie das Fehlen männlicher Nachfahren in einzelnen Zweigen des Familienverbundes (insbesondere in Ekberts 1. Ehe mit Amulrad, die nur vier Töchter hervorbrachte) führte die Edlen von Meseberg vom Grafenstand über das Rittertum zum einfachen Landadel.

    In Meseberg bei Osterburg saß die Familie über Jahrhunderte und erlebte nicht zuletzt auch wegen der Vielzahl ihrer Familienmitglieder und der sich dadurch ergebenen Geldknappheit in Verbindung mehrerer unrühmlichen Aktivitäten (Raubzüge etc.) den ständigen Schwund in Stellung und Ansehen. Dennoch fanden 24 Namensträger im Codex Brandenburgensis (Auflistung von Urkunden der Adeligen in der Mark Brandenburg) ihre Erwähnung, so u.a. der Ritter Heinrich von Meseberg als Gründer eines weiteren Rittersitzes in Meseberg bei Gransee/Ruppin (auf seinen Fundamenten steht heute das Gästehaus der Bundesrepublik Deutschland Schloss Meseberg), Philipp von Meseberg als kurfürstlich-brandenburgischer Hofmarschal sowie Gerhard von Meseberg (Inspekteur aller Forsten im Herzogtum Braunschweig-Lüneburg). David Christoph von Meseberg und Christian Adolf von Meseberg wurden im 18. Jahrhundert als Offiziere in der preußischen Armee mit dem höchsten Orden ausgezeichnet, den Preußen zu vergeben hatte: den Orden "Pour le Merite".

    Die Bedeutung der Familie endet Ende des 18. Jahrhunderts. War der durch uneheliche Geburten verlorengegangene Adelsstand durch verbriefte Standeserhebungen mehrfach wiedererlangt worden, starb er dennoch durch kinderlose Ehen oder weitere uneheliche Geburten ab. Dringlichstes Gebot der Familie war ja immer die Zeugung eines männlichen Stammhalters, um den Fortbestand der Familie zu sichern. Da reichte dann auch notfalls die uneheliche Geburt eines Stammhalters, der auf ausdrücklichem Wunsch des adeligen Vaters dessen Familiennamen erhielt (ohne das "von"), und nicht den Namen der Mutter, wie damals eigentlich üblich. Die Erziehung des Sprosses im sozialen Umfeld der Mutter (oft ärmliche Verhältnisse) besiegelte dann den Abschied vom Adelsstand. Der Familienname Meseberg blieb aber erhalten.

    Die später ausgeübten Berufe der nun bürgerlichen Familienmitglieder (Nachkommen des Adelsgeschlechtes) waren dennoch ansehnlich: Handwerkermeister, Ärzte, Professoren, Behördenleiter und Offizier. Ein Namensträger wurde Oberbürgermeister in Leipzig. Nach einer Erhebung in der Bundesrebublik gibt es heute ca. 80 Familien, die den Namen Meseberg tragen. Die wenigsten wissen wohl etwas über die Entstehung und Herkunft des Namens. Nur zwei Familien können derzeit belegen, daß sie direkte Abkömmlinge der adeligen Familie von Meseberg sind und damit - wenn auch nunmehr bürgerlich - die Familie immer noch nach "außen" repräsentieren. Drei Orte tragen den Namen der Familie, und neben Schloss Meseberg erinnern insbesondere zwei kunsthistorische Denkmäler an die große Familie: das Figurendenkmal an der Nordseite der Kirche in Meseberg bei Osterburg (Altmark) und die aufwendige Grabsteinplatte an der Südseite der Lutherkirche in Bad Harzburg (Harz). Ein Besuch der Kirche in Meseberg bei Osterburg (Turm aus der Mitte des 12. Jahrhunderts) ist lohnenswert.


    Für den Inhalt:
    Uwe Meseberg, Süstedt, 28. Oktober 2008, überarbeitet im Oktober 2011

    Fundstellen auf Anfrage.